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Mich hat sein Tod traurig getroffen, als die Nachricht
am 11.09. über die Agenturen ging. Fast 3 Monate vor
seinem 80. Geburtstag starb er 79jährig, der mit
der Nachkriegsverschwiegenheit brach.
Warum
ist Joachim
Fest für mein Weltbild wichtig geworden? Hitler
und sein Volk stellt er untrennbar auf eine Stufe. Die
Hitler-/NS-Forschung widmete Fest über 40 Jahre seines
Lebens.
Ich beschäftige mich seit Januar 1984 mit den
Hintergründen zur Entstehung des Nationalsozialismus.
Anfangs waren es die Themen "Ende des Deutschen
Reiches", die Biografie "Josef W. Stalins" und das Leben
des Offiziers Graf von Stauffenberg.
Deutsche Geschichte, besonders die der
jüngsten Vergangenheit und die Aufarbeitung der
Nachkriegszeit ist für viele Deutsche ein rotes Tuch.
Ich schreibe von jenen Deutschen heute, die Generation
der Grosseltern und Eltern ab 65 Jahren. Sie verdrängen
ihre Vergangenheit. Sie streiten ab, sind gleichgültig
gar selbst gegenüber ihrer Lebensgeschichte.
Joachim Fest hat 1973 die erste deutsche
umfassendste Biografie zu Adolf Hitler veröffentlicht.
Sie ist akribisch, detailliert und lesenswert
geschrieben. Er nimmt in seinem Buch Fragen auf, die er
hinterfragt. Letztlich bleibt keine Frage unbeantwortet.
Trotzdem setzt er keinen Schlussstrich. Das das
Hitlertrauma für uns Deutsche egal welcher Generation
stets in der Gegenwart haften bleibt, ist nicht mit
tausenden von bereits erschienen Büchern und
Publikationen erklärbar. Der wichtigste Aspekt ist das
Versagen der deutschen Politik und Bevölkerung seit 1945
um eine Aufarbeitung dieser Zeit des Schreckens der
Verfolgten. Und verfolgt wurden nicht die 80% der
deutschen Bevölkerung.
Fest hat Hitler an zwei Ziele festgemacht: Eroberung von
Lebensraum und die Vernichtung der Juden.
Der preussische Berliner war ein besonders begabter
Publizist der komplizierteste Zusammenhänge einfach
vermittelte und auf den Punkt brachte.
Oberflächlichkeiten waren ihm zu wider. Hitler als Dämon
brandmarkte er. Stattdessen zeigte er Hitler als Mensch
mitten aus dem Volk, das ihn hervorbrachte. Niemand
musste mitmachen, man wollte mitmachen!
Unnahbar, kühl und distanziert liest man oft über
Joachim Fest. Das war wennschon zutreffend seine harte
Aussenschale. Intellektuell, konservativ, liberal,
literarisch gebildet, katholisch im Glauben zeigte er
sich kaum öffentlich. Doch wenn er zu hören war, sagte
er das was zu sagen war.
Sie
kennen sicherlich sein Buch "Der Untergang" und den
gleichnamigen TV-Zweiteiler von 2005. Eine persönliche
Biografie erschien am 22.09.2006 unter dem Titel "Ich
nicht".
J. Fest war zudem Box-Experte und liebte Italien, das er
in seinem Buch "Im Gegenlicht. Eine italienische Reise"
von 1988 beschrieb. Sein Anzahl von herausgegeben
Büchern beträgt 18.
Ein 45-minütiges SWR-Interview
mit Joachim C. Fest ist hier zu hören. |