|
 |
|
Teil1
|
|
SPASS
+ ANFEUERN bei SPIELEN und WETTKÄMPFEN |
|
.
|
|
CHEERLEADER IN
DEUTSCHLAND |
|
.
|
|
"Ausziehen,
ausziehen" |
|
.
|
|
Nach
den Master-Studiengängen schwappen jetzt auch die Begleiterscheinungen des
amerikanischen Studentenlebens über den Atlantik. Cheerleader treffen
hierzulande jedoch auf Unverständnis.
|
|

Das Haarteil
mit den winzigen Löckchen hat sich Christina Hahnfeld, 26, beim Friseur-Versand
bestellt. "Früher habe ich am Abend vor einer Show stundenlang meine Haare
in kleine Korkenzieherlocken aufgerollt", erzählt sie. Jetzt geht es
schneller. Nadine, die bei den anderen Mädels "der rote Feger" heisst, bindet die falschen Locken mit einer hellblauen Schleife an Christinas
glatten braunen Pferdeschwanz. Die "Silver Streaks Cheerleader" haben
noch wenige Minuten bis zu ihrem Auftritt.
Im Saal des Berliner Clubs
"Kalkscheune" hängen Hunderte von blauen, roten und weissen
Luftballons. Auch die amerikanische Flagge erinnert an die Bilder aus dem
US-Präsidentschaftswahlkampf. Doch hier sollen deutsche Studenten
erfahren, wie es an amerikanischen Unis zugeht. Für das Rahmenprogramm hat die
Austauschorganisation Council Exchanges die Cheerleader-Gruppe engagiert. |
|
. |
|
Eigentlich
cheeren Christina und Nadine sonst nur für die Berlin Rebels, ihr Footballteam.
Denn traditionell sind Cheerleader die Einheizer beim American Football, "Cheers"
heissen die Schlachtrufe, mit denen sie ihre Mannschaft anfeuern. Mit einem
"Huddle" beginnen die Silver Streaks ihre Show. Dazu stecken die fünf
Mädchen im Kreis ihre Köpfe zusammen und schreien "Go Rebels go" -
was ohne das Echo der Footballfans auf dem Spielfeld ein bisschen verloren
wirkt.
Die falschen Locken aller fünf
Pferdeschwänze wippen synchron im Takt der harten Breakbeats. Die Silver
Streaks setzen an zum Spagat in der Luft, ihre weissen Cheerleader-Röckchen
fliegen hoch. Vielleicht liegt es an den knappen Röcken, wenn in Deutschland
die meisten Fussballfans Cheerleaderinnen für Go-go-Girls halten.
Bei einem Auftritt der Silver Streaks vor
einem Bundesligaspiel von Hertha BSC brüllte das ganze Stadion minutenlang
"Ausziehen, ausziehen". "Da musst du dann einfach drüberstehen
und stolz sein, dass du ein Cheerleader bist", sagt Christina.
Viele Austauschstudenten von Council
Exchanges werden in den USA Cheerleader. Christina, die während ihres
Jurastudiums auch in Amerika war, hat mit dem Cheerleading aber schon in
Deutschland angefangen, beim Footballteam Berlin Bears. Die Entscheidung für
diesen Sport hatte natürlich "irgendwie mit Amerika zu tun", erzählt
sie. "Mit 14 habe ich den Film 'Can't Buy Me Love' gesehen. Danach war für
mich klar: Ich werde auch Cheerleader."
"Can't Buy Me Love" ist ein
klassischer Cheerleader-Film, und der Plot solcher Filme ist immer gleich: Auf
dem College herrscht heftige Konkurrenz unter den Studentinnen. Nur die
schönsten Mädchen ergattern einen Platz im begehrten Cheerleader-Team und
kriegen die tollsten Footballspieler. Sie feiern wilde Partys, während die
anderen brav studieren. Ausserdem gibt es noch eine Menge heisser Tänze zu
sehen. Cheerleader zu sein, so viel wird klar, ist eine Riesenauszeichnung -
zumindest in den USA.
In Deutschland haben zwar inzwischen
Bachelor- und Master-Abschlüsse an den Unis Einzug gehalten. Die Cheerleader
haben es jedoch noch schwer. "Ich glaube, unter den Juristen bin ich die
einzige Cheerleaderin", erzählt Christina. "Einige Kommilitonen
reagieren schon ziemlich verständnislos."
"Auch wenn wir im bauchfreien Top
auftreten, machen wir einen knallharten Sport"
Bislang hat keine deutsche Uni ein
eigenes Cheerleader-Team - sowenig wie Uni-eigene Footballmannschaften üblich
sind. Die Cheerleader hier zu Lande sind über die mittlerweile zahlreichen
Footballvereine organisiert. Doch cheerleadende Studentinnen gibt es einige,
sagt die Lehramtsstudentin Kristin Nogai, 28, die
"Cheerleader-Beauftragte" des American Football Verbands. Wie
Christina studiert auch sie an der Freien Universität (FU).
|
|
.
|
|
Vor der FU
hängen seit Wochen Poster mit einer reichlich geschminkten Blondine drauf:
Automatisch bleibt der Blick der Betrachter zwischen den weit gespreizten
Schenkeln hängen, die dürftig ein kurzes Röckchen umspielt. Nur der Aufdruck
"Cheerleader Meisterschafts-Party" verrät, dass es hier nicht um die
Berliner Erotikmesse, sondern um eine offizielle Veranstaltung des Football
Verbands geht. |
|
Kristin ärgert sich über dieses
Poster - vor allem, weil ihre Telefonnummer darunter steht. Das Sex-Image der
Cheerleader nervt. "Auch wenn wir im bauchfreien Top und kurzen Rock
auftreten, machen wir einen knallharten Sport." Die Cheerleader in
Deutschland haben mittlerweile sogar ihre eigene Meisterschaft, die Silver
Streaks belegten im vergangenen Jahr den ersten Platz unter den Berliner
Teams. |
|
.
|
|
Cheerleading
ist kein lustiges Gehüpfe, sondern eine anstrengende Angelegenheit. Bis zu
viermal die Woche trainieren die Cheerleader, jeweils drei Stunden lang. Alle
sechs Monate müssen sie einen so genannten Try Out bestehen. "Low V",
"High kicks", "Toe touches", "Tumbling" oder
"Tossen" heissen die Figuren, die sie hier vorführen müssen, um
weiterhin zum Team zu gehören. "Auch Rauchen und Trinken sind bei uns
tabu", fügt Christina hinzu. "Für die Stunts muss man extrem fit
sein."
Den klassischen Stunt, die Pyramide,
bekommen die Zuschauer in der Kalkscheune nicht zu sehen. Dazu ist die Decke im
Saal nicht hoch genug. Als Intro legt der DJ den "Marching
Song" auf, den an den amerikanischen Colleges normalerweise das Orchester
spielt. Die Mädchen cheeren im "College-Stil", darauf legen sie grossen Wert. Sie zeigen verschiedene Tänze, jeder einzelne ist nur etwa 30
Sekunden lang. Mehr Zeit zum Anfeuern bleibt auch nicht während eines
Footballspiels. Neben den Gruppen des College-Stils gibt
es in den Vereinigten Staaten noch die Cheerleader der National Football League,
kurz NFL. "Den Mädchen in der NFL geht es um den Showeffekt. Die tragen
offene Haare und zeigen keine Stunts. Wir machen mehr die sportliche
Variante", sagt Christina. Doch auch bei der NFL sind die Aufnahmekriterien
ziemlich hart, wenn auch nicht gerade im sportlichen Sinn. Wer nicht die
richtige Oberweite oder zu dicke Schenkel hat, braucht sich gar nicht erst zu
bewerben. Dafür verdienen die Mädchen in der NFL
viel Geld. Nicht selten haben sie nebenher noch Modelverträge, oft findet sich
auch ein Filmstar als Freund. In der NFL selbst gelten allerdings strenge
Benimmregeln: Wer etwas mit einem Footballer anfängt, fliegt aus dem
Cheerleader-Team. Auch in Deutschland gibt es einen Ableger
der amerikanischen NFL, das Footballteam Berlin Thunder. Die Cheerleader der
Thunders sind heiss begehrt. Für ihren Fanclub gibt es eine eigene Webpage mit
einem Foto von jedem Girl. Klickt man zum Beispiel auf das Foto der blonden
Stefanie, erfährt man, dass für die angehende Lehrerin "Humor und Spass
ganz wichtig im Leben" sind. Wer die dunkel gelockte Samantha wählt, dem
verrät die 21-jährige Studentin ihre grossen Ziele für die Zukunft. Nach
ihrem Studium möchte sie am liebsten in die USA auswandern, um dort in der NFL
zu cheeren. Christinas Pläne klingen dagegen fast
banal. Nach ihrem bestandenen Staatsexamen in Jura macht sie erst einmal ihr
Referendariat. |
|
zurück...
|
|