|
U-BOOT "Kursk" |
Moskau
- Das russische Atom-U-Boot "Kursk" sank am
Samstag, 12. August 2000, auf den Grund der Barentssee. Die russische Marine
versuchte vergeblich, Überlebende der 118 Mann Besatzung aus dem in
100 Meter Tiefe liegenden Boot zu bergen.
Samstag,
12. August 2000: Norwegische
Seismologen registrieren gegen 09.30 Uhr MESZ zwei Unterwasser-Explosionen
in der Barentssee. Es ist wahrscheinlich das Unglück der "Kursk".
Vermutlich ist mehr als die Hälfte der Besatzung sofort tot. Das Boot
wird von der russischen Marine erst vermisst, nachdem es sich um 21.30 Uhr
MESZ nicht für einen vereinbarten Funkkontakt meldet. Sonntag,
13. August 2000: Um
1.21 MESZ wird das U-Boot auf dem Meeresgrund etwa 100 Seemeilen nordöstlich
des Hafens Murmansk entdeckt. Sieben Stunden später treffen Rettungsschiffe
ein. Per Klopfzeichen bitten die eingeschlossenen Seeleute um Atemluft
und berichten von überfluteten Kammern. Die Öffentlichkeit weiss
noch nichts von dem Unglück. Montag,
14. August 2000: Kurz
vor 9 Uhr MESZ, erst 48 Stunden nach dem Unglück, gibt die russische
Marine den Untergang der "Kursk" bekannt. Die Klopfsignale aus dem Boot
brechen ab. Erst am Abend wird eine erste Zahl von 116 Mann Besatzung genannt,
die später auf 118 berichtigt wird. Dienstag,
15. August 2000: Bei
angeblich starker Unterwasserströmung und einer Sicht von nur zwei
Metern versuchen Piloten russischer Rettungskapseln immer wieder vergeblich,
an die Ausstiegsluken der "Kursk" anzudocken. Mittwoch,
16. August 2000: Nach
tagelanger Verzögerung nimmt Russland das Hilfsangebot des Westens
an. Das britische Rettungs-U-Boot "LR5" wird nach Norwegen geflogen und
in Trondheim an Bord eines Spezialschiffes gebracht, das am nächsten
Morgen zur Barentssee ausläuft. Auch norwegische Taucher machen sich
auf den Weg. Donnerstag,
17. August 2000: Rund
um die Uhr laufende russische Rettungsversuche sind weiterhin erfolglos.
Vermutlich ist die Luke der "Kursk" beschädigt. Freitag,
18. August 2000: Russlands
Präsident Wladimir Putin kehrt nach scharfer Kritik an seiner Haltung
aus dem Urlaub am Schwarzen Meer nach Moskau zurück. Die Rettungsversuche
schlagen weiterhin fehl. Samstag,
19. August 2000: Die
russische Marine teilt mit, dass die gesamte Mannschaft der "Kursk" vermutlich
tot ist. Erst jetzt treffen die britischen und norwegischen Retter am Unglücksort
ein. Sonntag,
20. August 2000: Am
Vormittag werden norwegische und britische Tieftaucher zum Wrack der "Kursk"
herabgelassen. Sie melden, dass die einzig mögliche Einstiegsluke
beschädigt ist. Ein Andocken von "LR5" ist nicht möglich.
Radioaktive
Gefahr? Von
Thomas Borchert Oslo - Norwegens
Militärs und Umweltschützer in Oslo meinen in seltener Einmütigkeit,
dass die komplette Bergung des havarierten Atom-U-Bootes "Kursk" der beste
Schutz vor radioaktiven Gefahren für die Barentssee wäre. Während
Admiral Einar Skorgen als Chef der bisherigen Osloer Hilfsaktion am Dienstag
postwendend zur Tat schritt und erste Gespräche mit Bergungsfirmen
im eigenen Land und in Holland führte, warnte der Experte der auf
Umweltgefahren durch die russische Nordflotte spezialisierten Organisation
Bellona, Thomas Nilsen, vor schnellen Entscheidungen: "Man sollte unter
allen Umständen mindestens zwei Monate warten, um ganz sicher sein
zu können, wie es bei den beiden Reaktoren aussieht." Nilsen hält
die Gefahr einer Kernschmelze der beiden Reaktoren nach dem Verlauf der
Rettungsarbeit ohne irgendwelche unnormale Radioaktivität am Wrack
für inzwischen "nahe Null". Das U-Boot sei bei der Havarie auch erst
drei Tage auf See und die Reaktoren deshalb noch nicht besonders heiss
gewesen. All das aber bedeute nicht, dass eine Bergung des immerhin über
18.000 Tonnen schweren Bootes nicht zu gefährlichen Reaktionen der
Atomreaktoren führen könne. "Natürlich
wäre es am besten, das Boot an Land zu bringen, dort die Toten zu
bergen und das Wrack nach allen Regeln der Kunst zu entsorgen", erklärte
Nilsen. Wenn sich das aber als zu gefährlich erweise, müsse man
eben Alternativen für eine möglichst sichere Verwahrung des Wracks
in 108 Meter sorgen. Als Möglichkeiten
nannte der Norweger die in Russland angeblich erfolgreich erprobte Methode,
die komplette Reaktorsektion des Bootes mit speziellen chemischen Substanzen
zu umgeben und zu isolieren. "Das soll 500 Jahre Sicherheit geben", meinte
der Bellona-Mann, allerdings mit einer gewissen Skepsis in der Stimme.
Man könne die Reaktoren notfalls auch, wie bei dem 1989 in 1.000 Meter
Tiefe gesunkenen Atom-U-Boot "Komsomolez", mit Metallplatten ummanteln,
um das Aussickern von Radioaktivität in Wasser "wenigstens weitgehend
zu verhindern". Dies sei aber die schlechteste der denkbaren Alternativen. Wiederum
völlig einig mit der militärischen Führung im NATO-Land
Norwegen ist sich Bellona mit der Annahme, dass Russland nicht in der Lage
sein wird, die Umweltprobleme nach dem Untergang des Atom-U-Bootes allein
zu bewältigen. Nilsen: "Die russischen Militärs haben seit dem
Unglück schon so viele Fehler gemacht. Sie werden auch in Zukunft
nicht ohne internationale Hilfe auskommen." Dass Norwegens
Aussenministerium und die militärische Führung ohne Zögern
positiv auf die russische Bitte um Hilfe bei den weiteren Bergungsarbeiten
reagierten, dürfte auch handfeste wirtschaftliche Gründe haben.
Für die Fischerei des skandinavischen Landes stellt die arktische
Barentssee eine der wichtigsten Einnahmequellen überhaupt dar. Dass
dieses Gebiet nicht noch stärker als ohnehin schon den Ruf eines "Atomfriedhofs"
bekommt, gilt in Oslo als nicht ganz unerhebliches Ziel aller eigenen Anstrengungen. Völlig
ungeklärt bleibt vorerst, wer die immensen Kosten einer etwaigen Bergung
des gesamten U-Bootes tragen soll. Dazu gab es auch noch keine offizielle
Stellungnahme aus Oslo. "Wie auch die Lasten verteilt werden - ohne organisatorische
und finanzielle Hilfe aus dem Westen wird das nie etwas", meinte Nilsen
und erinnerte an die komplette Unfähigkeit bei den russischen Stellen
in der Woche nach dem Unglück: "Wir waren ja hier in Oslo eigentlich
immer besser im Bilde als unsere Mitarbeiter in Murmansk. Dort herrschte
schon von den Informationen her ein wildes Chaos."
"Kursk" von
russischer Rakete versenktDas in der
Barentssee mit 118 Mann Besatzung verunglückte russische Atom-U-Boot
"Kursk" ist nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" von der eigenen Marine
versenkt worden. Eine moderne Anti-U-Boot-Rakete, die vom russischen Kreuzer
"Peter der Grosse" abgefeuert wurde, habe die Katastrophe verursacht,
berichtet danach der russische Inlandsgeheimdienst FSB. Russische
Militärs vertraten bisher energisch die Auffassung, dass die "Kursk"
von einem ausländischen U-Boot gerammt worden sei. In einem ersten
ausführlichen Bericht russischer Augenzeugen hiess es jetzt,
dass der Bug des U-Boots durch eine Explosion vollständig weggesprengt
worden sei. Die vordere Sektion des Bootes, die Torpedo-Kammer, sei "wie
mit einem Fallbeil abgeschnitten", sagte der Kommandant einer russischen
Rettungskapsel. Er hatte wenige Tage nach dem Unglück drei Tauchgänge
zu dem auf Grund der Barentssee liegenden Boot unternommen.
(09.09.2000)
" K U R
S K "
Bergungsaktion
macht Fortschritte Hoher Seegang
hatte immer wieder die Bergungsarbeiten verzögert. Jetzt aber sind
Spezialtaucher zum Wrack des verunglückten russischen Atom-U-Bootes
"Kursk" abgetaucht.
Wie Marinesprecher Igod Dygalo der Agentur Interfax sagte, wurde die Kapsel
mit zwei russischen und einem britischen Taucher von Bord des Spezialschiffes
"Majo" aus in 100 Meter Tiefe in der Nacht hinuntergelassen worden. "Die russischen
Taucher markierten Punkte für Löcher an der Aussenhaut des
Wracks, an denen später Stahlseile zur Bergung des Wracks befestigt
werden sollen. Ihr britischer Kollege blieb während des Einsatzes
zur Sicherung in der Tauchkapsel am U-Boot", sagte
Dygalo. Eine zweite
Gruppe wird am Wrack Ausrüstungen zum Ausschneiden von insgesamt 26
Löchern installieren. Die Löcher werden dann mit einem millimeterdünnen
Wasser-Abrasiv-Strahl bei einem Druck von 1.500 Atü gebohrt. Das Ausschneiden
eines Loches wird etwa eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen. Eine dritte
Gruppe, deren Einsatz für späten Samstagmittag geplant war, sollte
Punkte für Löcher an der Aussenhülle der dritten, der
vierten und der fünften Sektion markieren. Eine vierte Mannschaft
wird ähnliche Arbeiten im Raum der siebten und der achten Sektion
durchführen. Die "Kursk"
war am 12. August letzten Jahres nach der mutmasslichen Explosion
eines bordeigenen Torpedos mit 118 Mann Besatzung in der Barentssee gesunken.
Anfang November letzten Jahres waren bereits 12 Leichen aus dem hinteren
Teil des U-Bootes geborgen worden.
Einige
der Seeleute hatten das Unglück noch mehrere Stunden überlebt,
bis der Luftvorrat aufgebraucht war.
(21.07.2001)
WEITERES ZUM THEMA U-BOOTE
HIER |