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- Beruf: Kabarettist, Conférencier / Bühnenlaufbahn als Conférencier seit 1955,
Auftritte in Bühnenprogrammen, Varietés, Rundfunk und Fernsehen ("Kessel
Buntes"); eigene Kabarettsendung 23 mal "Treff mit O.F." aus
Dresden
Mitglied der NDPD, Mitglied des Nationalrat der Nationalen Front; Vors. der Sektion
Wortkunst beim Komitee f. Unterhaltungskunst und Präsidiumsmitglied des
Komitees
- Berlin (27.04.1984): kritische Äusserungen an die
Staatsführung der "DDR" insbes. an Günter
Mittag: Conférencier O. F. Weidling
wendet seinen schwarzen Smoking zum Publikum...! – drinnen ist er tiefrot
– im Gegensatz zu seiner Einstellung.
Auftrittsverbot! (Der neue Friedrichstadt-Palast
ist eröffnet) - Honecker, Mittag und die anderen anwesenden
SED-Genossen sind entsetzt. Wenig später ereilt O.F. Berufsverbot.
Die Sendung aus dem Neuen Friedrichstadt-Palast wurde LIVE übertragen.
In der Wiederholung wurden alle Passagen mit O.F. herausgeschnitten. Es wurde
damit versucht, seinem Image zu schaden. 6 Monate später starb er durch seine
Erkrankungen.
Sein Markenzeichen war das
schwarze Smokingjackett mit dem roten Futter, das er durch plötzliches
Öffnen und Schliessen als stumme Überpointe einsetzte. Seine
Popularität verdankte er seinem Scharfsinn, seiner spitzen Zunge,
seiner Schlagfertigkeit, gepaart mit Wagemut. Und einer gehörigen
Portion Selbstbewusstsein. O.F. Weidling war aber auch der
Grösste seiner Zunft in seiner Zeit.
Ein Conférencier par
excellence.
Der die Profession so verstand, wie sie zu Beginn der Varietégeschichte
"Mr. Chairman" begründete. Einerseits dem Unterhaltungsprogramm aus
verschiedenartigsten Darbietungen einen Rahmen zu geben, anderseits das
aktuelle Geschehen heiter-ironisch-satirisch zu kommentieren. So steht
er in einer Reihe mit den berühmtesten Conférenciers des Jahrhunderts:
Paul Nikolaus, Max Ehrlich, Fritz Grünbaum, Werner Finck.
Von ihm stammt das Wort: "Ein Schauspieler
muss gut lügen können, ein Conférencier muss gut die Wahrheit
sagen können." Daran hat er sich stets gehalten. Und wie Finck brillierte
er gern mit unvollendeten Sätzen, bei denen man quasi die drei Pünktchen
des Weiterdenkens hörte.
O.F. (Abkürzung für Otto
Franz, die er nicht gern preisgab) begann seine Bühnenlaufbahn
1955. Lange Zeit hatte er es schwer. Sein Geist und Witz behagten namentlich
den Provinzfürsten nicht. Die Kraft ihrer Wassersuppe hier und dort
Auftrittsverbote verhängten. Er fühlte sich missverstanden, da
nie Dissident. Allerdings auch nicht Sozialismusprediger. Eher sah er sich
als einer, der mit den Mitteln seiner Kunst "das Beste aus der Sache machen"
wollte. In den 70er Jahren fand er zunehmend offizielle Anerkennung. Von
der Goldmedaille des Interpretenwettbewerbs bis zum Nationalpreis. Avancierte
zum Vorsitzenden der Sektion Wortkunst im Komitee für Unterhaltungskunst
(als der er für die Szene viel bewirkte). Trat immer öfter in
Funk und Fernsehen auf und bekam mit "Treff mit O.F." eine eigene Fernsehtalkreihe.
Dennoch blieb er der Liveunterhaltung treu, ob im Café Prag oder
im Palast der Republik, wo er übrigens fast zeitgleich ein "Cabaretical"
kreierte, bei Pressefesten oder im Dorfkulturhaus...
Auf dem Höhepunkt des Ruhms
musste er jedoch schmerzlich erkennen: Mit Politiker-Mächten ist kein
ew'ger Bund zu flechten. Als er am 27. April 1984 vor der "Partei- und
Staatsführung" den neuen Friedrichstadt-Palast eröffnete, stiess
sich Wirtschaftsverlenker Günter Mittag (1926-1994) an seinen Pointen und initiierte den Abschuss.
In der Wiederholung der Fernsehaufzeichnung war O.F. komplett herausgeschnitten.
Einige Tage später "entfernte" man ihn aus dem Programm, das bis Oktober
laufen sollte. Der nächste Fernseh-"Treff" wurde auf unbestimmte Zeit
verschoben. Neue Engagements blieben aus, ob veranlasst oder aus vorauseilendem
Gehorsam sei dahingestellt. Selbst zu seinem 60. Geburtstag am 2. August
erschienen nur zweite Garnituren... Wer O.F. kannte,
weiss, dass er dies
nicht verkraftet haben kann. Bereits vor Eröffnung des Palastes hatte
er sich einer Darmkrebsoperation unterzogen. Es folgte eine Lungenembolie.
Im September 1984 ereilte ihn der erste Schlaganfall, kurz vor Weihnachten der
zweite. Am 06. Januar 1985 starb er. Zur Trauerfeier auf dem Heidefriedhof
konnte die Kapelle die Menschenmenge nicht fassen. (Text:
Dresdener
Neuste Nachrichten)
Über O.F. Weidling zu
schreiben schmeichelt mir doppelt, sagt Hansgeorg Stengel (Autor) aus:
Erstens ist mir auf
diese Weise Gelegenheit gegeben, einen vortrefflichen Kollegen zu rühmen,
und zweitens kann ich mein Manuskript zu einer Beschreibung ominöser Vorgänge
des Jahres 1984 nutzen, besonders der Monate Jan.-Apr. , als wir zwei enger
verknüpft waren als in Dezennien zuvor.
Ich lernt den kecken
Jüngling in den fünfziger Jahren bei einem Dorffest in Marxwalde (früher
Hardenberg) unweit von Seelow kennen. Er überragte uns Eulenspiegel -
Greenhorns, die zwar schreiben, nicht aber reden konnten, bonmotorisch, mit
einer unüberhörbaren Gewandtheit, höchst amüsant publikumswirksam zu
plaudern und sogar bei problematischen Freilichtbühnen - Auftritten zu bestehen
und zu bestechen. In den Jahren 196O bis 1975 galt O.F. als Spitzen sportler
der "DDR". Er war allerorts und permanent als Conférencier, Moderator
und Showmaster engagiert. Vor ungefähr 15 Jahren wurde dem
lippenbekenntnisreichen Mann das Spiessrutenlaufen zu bunt: Er suchte und fand
im Komitee fuer Unterhaltungskunst als und vielstimmig gewählter Vorsitzender
der Wortkünstler-Sektion jene Plattform, die seine unbequemste
Bühnentätigkeit untermauerte. Weidlings >> TREFF
mit O.F.<< 1981-1984 waren kabarettistische Sternstunden einer in
puncto Satire ziemlich aseptischen Adlershofer Fernsehepoche.
Der letzte
>>TREFF<< - im Januar 1984 aufgezeichnet und im April 1984 gesendet
- war ein Duell Weidling-Stengel, an das ich mich gern erinnere (Tagesspiegel,
Westberlin: "Hauptgast war diesmal der Schriftsteller und Kabarettist
Hansgeorg Stengel, innerhalb der "DDR" eine Institution, die für
satirische Schärfe steht. H.Stengel war O.F.Weidling gewachsen, wenn nicht
überlegen, und es machte Spass dem geistigen Ping-Pong-Spiel der beiden
zuzuschauen...". Ich zitiere das Wort "überlegen" keineswegs, um
mich über O.F. gestellt zu fühlen.
Im Gegenteil. Für
mich war O.F. der einmalige souveräne Wortkunstprofi. Allerdings: Konkurrenten,
Rivalen waren wir allemal. O.F. hatte damals den Moderatorenvertrag für die
Friedrichstadtpalast-Premiere und das folgende Quartal in der Tasche. Mein
Vertrag mit dem Palast sollte für den folgenden Herbst gelten. Von der
Weidling-Tragödie wird in einer aktuellen Fernsehdokumentation die Rede sein.
Jedenfalls fielen sowohl die Fernseh- wiederholungen des letzten "TREFF mit
O.F." als auch der Weidling-Conference in Premiere:
Friedrichstrasse 107 ins Wasser. Ich kündigte mutlos meinen Palastvertrag.
Als O.F.Weidling am 06.01.1985 starb, konnte ich mich des Gedanken nicht
erwehren, dass der 27. April 1984 tückisch zum frühen Tod eines meiner guten
und massstäblichen Freunde beigetragen hat.
- TV-Sendung:
"TREFF FUER O.F." im DFF (heute MDR) am: 1O.O5.1990
Anmerkung:
O.F. Weidling war kein oppositioneller Künstler der "DDR"!
O.F. Weitling O.F.Weidling
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